Das Schulprogramm

3.2 Das Lehrerraumprinzip am Gymnasium Sedanstraße

Mit Beginn des Schuljahres 2017/18 wurde zur Verbesserung des Lernumfeldes an unserer Schule das Lehrerraumprinzip eingeführt. Nach der Umstellung auf das Doppelstundenprinzip in den ersten vier Unterrichtsstunden des Schultages sollte nun auch die Umstellung auf das neue Raumprinzip die Gestaltung der Lernumgebung positiv beeinflussen und die Realisierung kooperativer und selbstständiger Lernformen zunehmend ermöglichen.

Ein Arbeitskreis hatte sich im Schuljahr 2016/17 ausgiebig mit den Vor- und Nachteilen des Lehrerraumprinzips auseinandergesetzt und die Umsetzbarkeit (auch hinsichtlich der organisatorischen Rahmenbedingungen an unserer Schule) hinreichend geprüft. Die Chancen, welche sich durch das LRP für die Weiterentwicklung und Qualität von Unterricht, den Einsatz von digitalen Medien, die Ausweitung kooperativer Lernformen, aber z.B. auch für die Sauberkeit unseres Schulgebäudes ergeben, wurden ebenso wie die feststellbaren Risiken (weniger Präsenz der Lehrer im Lehrerzimmer, Wanderungsbewegungen der Schüler in den Pausen, Verlust von Klassenzimmern für die Schüler etc.) zunächst in einer Lehrerkonferenz erörtert. Diese gab daraufhin dem Arbeitskreis den Auftrag, das Konzept für unserer Schule weiter auszuarbeiten. Nachdem auch der SV das Konzept mit seinen Chancen und Risiken vorgestellt worden war und der Arbeitskreis auch dort ein positives Votum erhielt, kam es auf einer weiteren Lehrerkonferenz zur Abstimmung über die Vorlage des Antrags zur Einführung des LRPs gegenüber der Schulkonferenz. Die letzte Schulkonferenz des Schuljahres 2016/17 votierte abschließend mit deutlicher Mehrheit für die Einführung des LRPs im aktuellen Schuljahr 2017/18.

Im LRP wechseln, anders als im bisher klassischen Klassenraumprinzip, die Schüler den Raum und gehen zu ihrem jeweiligen Fachlehrer in dessen Raum. An unserer Schule wird dieses Prinzip möglichst konsequent umgesetzt, so dass wir im laufenden Schuljahr lediglich die Fachräume der Naturwissenschaften (Biologie, Physik, Chemie) und in eingeschränktem Umfang auch der Fächer Musik und Kunst nicht als Lehrerräume vergeben haben. Hinzu kommt, dass die drei inklusiven Klassen (5b, 6b, 7b) ihren Klassenraum behalten haben bzw. im Falle der neuen 5b einen Klassenraum zugewiesen bekommen haben. Hierbei wurde darauf geachtet, dass diese drei Klassenräume auf einem Flur im ersten Gebäude liegen, um somit zu gewährleisten, dass auch die Verbindungsräume (Inklusionsräume) gemeinsam genutzt werden können. Ebenso soll die neu installierte Küche, die im Schuljahr 2017/18 in Raum 125 eingebaut wird, von allen drei Klassen mit den inklusiv beschulten Kindern benutzt werden können, daher bot sich die räumliche Nähe zu diesem Raum an. Eine weitere Besonderheit stellt die Internationale Klasse 2 dar, auch diese erhielt einen eigenen Klassenraum.

Bei der weiteren Verteilung der Lehrerräume wurde in Zusammenarbeit von Vertretern des Arbeitskreises mit der Schulleitung (zuständig für Unterrichtsverteilung) und den Stundenplanern (Zuständig für das Einsetzen der Räume und die Erstellung des Stundenplanes) darauf geachtet, dass Kollegen gleicher Fächer sich in räumlicher Nähe zueinander befinden, um sich Material zu teilen und weitere Synergieeffekte nutzen zu können. Ebenso waren persönliche Belange wie z.B. körperliche Einschränkungen oder Präferenzen Grund für eine mögliche Raumzuweisung und konnten Berücksichtigung finden. Bei derzeitiger Dreizügigkeit der jeweiligen Jahrgangsstufen 5-9 und momentanen Personalstand führte die Verteilung der Räume dazu, dass alle Kollegen, die zwei Fächer unterrichten, welche im Lehrerraum unterrichtet werden können (demnach keines der Fächer Physik, Chemie, Biologie, Sport, Musik oder Kunst haben) einen eigenen Raum zugewiesen bekommen haben, Teilzeitkräfte teilen sich den Raum gemäß ihrer Stundenreduzierung mit einem weiteren Kollegen oder mit Referendaren.

Nach der Einführung der neuen Taktung sowie den Planungsgesprächen in der Steuergruppe, welche die Selbstständigkeit der Schüler, optimierte individuelle Förderung sowie die Ausweitung der Nutzung der digitalen Medien in den Blick genommen hatten, zeigte die Einführung des LRP einen weiteren Schritt in die Richtung zur Verbesserung des Lernumfeldes unserer Schule an.

Wir versprechen uns von der Umstellung auf das neue Raumprinzip vor allem eine erkennbare Verbesserung der Unterrichtsqualität durch mehrere Aspekte:

Zu nennen ist hier zunächst die Möglichkeit der individuellen Nutzbarkeit des Raumes im Hinblick auf die speziellen Bedürfnisse des jeweiligen Faches oder der jeweiligen Lerngruppe. Die Unterrichtszeit kann effektiver genutzt werden, benötigtes Unterrichtsmaterial ist direkt vorhanden, auch Differenzierungsmaterial kann nun in den Räumen aufbewahrt werden und direkt zum Einsatz kommen. Im Sinne der individuellen Förderung schwacher, aber auch begabter Schüler wird den Talenten und Fähigkeiten sowie den Förderbedarfen der Schüler individueller Rechnung getragen, schülerzentrierte und –orientierte Arbeitsphasen sollen noch stärker in den Vordergrund gerückt werden können.

Die Selbstständigkeit der Schüler sowie das selbstgesteuerte Arbeiten werden angeregt durch eine vorhandene Auswahl an Materialien und Schreibutensilien, es können daher auch spontan Plakate entwickelt werden oder Dinge auf Flip Charts oder Pinnwänden visualisiert werden und daher den Lernprozess begleiten und strukturieren. Auch können Schüler effektiver ihre Arbeiten präsentieren und sie dauerhafter nutzbar machen für andere Lerngruppen oder einen späteren Zeitpunkt ihrer eigenen Lernphase.

Die Schüler haben zudem die Möglichkeit, ihr zur Zeit nicht benötigtes Material wie Bücher oder Schnellhefter, Ordner etc. im Raum des jeweiligen Kollegen zu lassen, so dass sie effektiv weniger Material und Bücher im Ranzen mit sich tragen müssen und nur die Dinge mit nach Hause nehmen, die sie dort noch benötigen. Für weiteren Stauraum sorgen die Spinde, die bereits im Kellerflur unserer Schule vorhanden sind. Eine derzeitige Abfrage bezüglich weiterer Bedarfe über die Klassenlehrer in den Klassen 5-9 soll ergeben, ob die Schulleitung weitere Spinde anschaffen soll.

Auch das dauerhafte oder phasenweise Einrichten von speziellen Lernarrangements wird durch das LRP ermöglicht, trägt zur Steigerung der Unterrichtsqualität bei und ist im Rahmen individuellen Lernens und kooperativer Lernformen erwünscht. So lassen sich phasenweise oder dauerhaft Gruppentische stellen oder aber Lernen an Stationen einrichten, welches dort über mehrere Tage verbleiben kann etc.

Durch z.B. die sofortige Verfügbarkeit von Material steigt die Möglichkeit zur Individualisierung von Unterricht in erheblichem Maße. Aber auch der Digitalisierung von Unterricht wird maßgeblich Rechnung mit dem neuen Raumprinzip getragen durch eine wesentlich effizientere Nutzbarkeit unserer bereits vorhandenen und noch weiter ausgebauten medialen Ausstattung. So ist im aktuellen Schuljahr i.d.R. jeder Raum mit einem Beamer ausgestattet, bedienbar über ein Wandpanel. Auch Lautsprecherboxen sind vorhanden. Flurweise verteilen sich OHPs und Dokumentenkameras, einige Kollegen haben sich zudem Drucker in ihre Räume gestellt, um somit Arbeitsblätter oder Dokumente direkt ausdrucken und ggf. kopieren zu können. Derzeit ermöglicht der Einsatz von sieben Apple TVs in einigen Räumen kabelloses Streamen von Online- Inhalten oder das Spiegeln des Inhaltes vom eigenen Laptop/ Tablet oder Handy. Windows Nutzer werden zeitnah durch den Einsatz von Display- Port- Adaptern gleiche Vorteile für ihren Unterricht erhalten. Im Ergebnis können so derzeit Schülerarbeiten kabellos projiziert, Onlineformate gezeigt, Dokumente vom eigenen Laptop oder Mobiltelefon in den Unterricht integriert werden etc, was in der Summe zu einer höheren Motivation der Lerngruppe und einer wirklichkeitsnaheren Lernumgebung führt.

Die genannten Vorteile des neuen Raumprinzips wirken sich im Idealfall auch auf die Lernzeit- Stunden aus, da die Schüler auch hier in den Raum des Kollegen gehen, um dort zu lernen. Hier kann neben der Lernzeitkiste mit den bisher angeschafften Materialien dann zusätzliches Arbeitsmaterial gelagert werden, welches weitere Differenzierungsmöglichkeiten bietet, z.B. auch fremdsprachliche Lektüren aus dem eigenen Bestand, die zur Förderung guter Schüler eingesetzt werden können oder Lern- und Sprachspiele zur Förderung schwächerer Schüler oder inklusiv beschulter Kinder.

Auch für die Verbesserung des gesamten Lernumfeldes und der Atmosphäre der Schule soll das neue Raumprinzip sorgen. Klare und verlässliche Zuständigkeiten bei der Instanthaltung der Räumlichkeiten sollen für Sauberkeit sorgen und vor Vandalismus und Schmierereien auf Mobiliar und an Wänden schützen. Ein motivierend gestaltetes Lernumfeld in sauberer Atmosphäre soll Schülern und Lehrern ebenso zugute kommen wie die hochwertigere Einrichtung der Räumlichkeiten. Die Einrichtung von Sprechzeiten von Kollegen in Freistunden in ihren Räumen können für Verlässlichkeit sorgen und die Kommunikation im Schulalltag verbessern, auch im Bereich der Eltern- Lehrer- Kommunikation.

Im sozialen Miteinander versprechen wir uns durch das Einrichten des LRPs den Vorteil, dass Mobbingfälle unter den Schülern im Rahmen der Pausen signifikant abnehmen werden. Nicht zuletzt ist auch die Entstressung der Kollegen innerhalb ihres Schultages ein Ziel, welches wir mit der Umsetzung des neuen Raumprinzips erreichen möchten.

Durch die Anwesenheit im Lehrerzimmer während der zweiten großen Pause bieten wir den Schülerinnen und Schülern eine verlässliche Ansprechbarkeit während des Schultages sowie auch den Kollegen untereinander die Gelegenheit zum Austausch. Im ersten Gebäude haben wir in Form eines Pausenzentrums die Möglichkeit geschaffen, dass die Schüler aller Jahrgangsstufen ihre Regenpausen nicht draußen oder in der Mensa, sondern auch innerhalb des Gebäudes verbringen können. Ein Teil des Pausenzentrums dient der Oberstufe auch in ihren Freistunden als Aufenthaltsort. Hier sorgen ein Billiardtisch sowie ein Kicker für Abwechslung. Für die soll auch die neu renovierte Bibliothek sorgen, die in diesem Schuljahr wiedereröffnet wird und dann auch in den Pausen die Möglichkeit zur Ausleihe für alle Schüler bieten wird. Im Laufe des ersten Halbjahres soll das neue Pausenzentrum in Zusammenarbeit mit der SV und einzelnen Kunstkursen noch attraktiver gestaltet werden, so dass auch dieser Teil der Räumlichkeiten in das renovierte und saubere Bild unserer veränderten Schule passt.

Gemäß des Antrags, der vor Schuljahresende an die Schulkonferenz ging, wird zum Ende diesen Jahres eine erste Evaluation bei Kollegen, Schülern, Eltern und Schulpersonal deutlich machen, wie effektiv und erfolgreich das LRP umgesetzt worden ist und ggf. Optimierungsbedarf aufzeigen.