Das Schulprogramm

4.1 Förder-und Lernzeitkonzept

Unser Förderkonzept am Gymnasium Sedanstraße

Die veränderten Lebenswirklichkeiten unserer Schülerinnen und Schüler sowie die gesellschaftlichen Erwartungen an die Schule heute verlangen neue pädagogische Antworten. Auch die Rahmenbedingungen durch das neue Schulgesetz, z. B. die Schulzeitverkürzung und die Versetzungsbestimmungen, brachten viele Veränderungen des Schulalltags mit sich.

Die Bedürfnisse der einzelnen Schülerinnen und Schüler anzunehmen und daraus Förderangebote zu entwickeln, ist unser Anliegen. Unser schulisches Angebot setzt dabei voraus, dass die Eltern in diese Arbeit einbezogen werden und diese mittragen, damit Lern- und Leistungsschwächen ihrer Kinder behoben werden können.
Es bedarf außerdem der Diagnose und Beratung aus der Lehrerschaft im Hinblick auf die unterstützende Förderung als Lernhilfe und die Entwicklung und Förderung von besonderen Begabungen und Talenten und am meisten natürlich der aktiven Teilnahme unserer Schülerschaft.

Den Rahmen erstellt unsere Schule seit vielen Jahren bereits durch ein ausgewogenes Angebot z. B.
  • durch Arbeitsgemeinschaften im musischen, theaterpädagogischen, sozialen sowie sportlichen Bereich und im Bereich der Rechts- und Wirtschaftskunde
  • durch eine langjährige Tradition im Schüleraustausch (Frankreich, USA, Indien, China)
  • durch Projekt- und Wettbewerbsarbeit und in Zusammenarbeit mit außerschulischen Partnern (z. B. bei Energie gewinnt, Stadtmeisterschaften, Vorlesewettbewerben, etc.)
  • durch Kooperationen mit den Wuppertaler Bühnen, der Musikschule, der Utopia Stadt, Johnsen & Johnsen, etc.
  • durch unser Coaching
  • durch die Studien- und Berufsberatung
  • durch unsere Schülerbibliothek (neu renoviert, Wiedereröffnung im 1. Halbjahr des Schuljahres 2017/18)
  • in Form unserer Bewegten Pause
  • in der Hausaufgabenbetreuung
  • durch unsere Schüler- Sprechtage für die Schüler der Mittelstufe (Jg. 7-9)
  • durch Bausteine, die Kinder stark machen (z. B. das Anti- Aggressions- Training in der Erprobungsstufe, das Lernen in der Inklusiven Klasse, die Arbeit in den internationalen Klassen und die Integration dieser Schüler in den Regelunterricht, die Ausbildung zu Streitschlichtern)
  • und nicht zuletzt selbstverständlich in fachlicher Hinsicht durch die Nachhilfebörse der Oberstufe, das Förderband mit den Ergänzungsstunden in den Klassen 5.1 (Grammatik ABC, Lernen lernen), 5.2. und 6.1. (Begabtenförderung in NAWI und Ausgleich von Defiziten im Rahmen von DAZ) und in Jahrgang 7 (Mathematik- Ergänzungsstunde) die Lernzeit- Stunden für die Jahrgänge 5.2 (D, M, E) und die Jahrgänge 6.1.-8.2. (D, M, E und F/L) sowie ein Vertiefungskurs zur Textanalyse in der EF angebunden an das Fach Deutsch im 1. Halbjahr sowie eine weitere Stunde Mathematik im 2. Halbjahr der EF und eine weiter Stunde Deutsch im 2. Halbjahr der EF, Differenzierungskurse im Bereich der Naturwissenschaften für die Mittelstufe, das Angebot der Kids for Kids sowie die DELF Prüfungen und ebenso durch ein fest verankertes Methodenkonzept für den Fachunterricht.
Im Bereich der Arbeitsgemeinschaften stellt die offene Übermittagsbetreuung einen wichtigen Baustein mit zusätzlichen Lernangeboten im musischen, künstlerischen, sportlichen oder sozialen Bereich dar (OMA).

Darüber hinaus existieren langfristig eingerichtete AGs, wie in unserer Anti-Rassismus AG oder das Angebot der Rechts- und Wirtschaftskunde AG. Auch durch die Teilnahme und Selbstorganisation innerhalb unserer Bewegten Pause oder unserem traditionellen, von der Q2 organisierten Herbstsportfest fördern und fordern wir unsere Schüler.

Lange Tradition haben an unserer Schule auch die fachlich wie interdisziplinär ausgerichteten Wettbewerbe (Vorlesewettbewerb, Stadtmeisterschaften, Känguru- Wettbewerb, etc.). Ebenfalls fördern wir auch die personale und soziale Kompetenz (z. B. Erste-Hilfe-Kurse, Projektwoche) zusätzlich im außerschulischen Bereich. Auf Exkursionen oder aber durch die Einladung von Experten in den Schulunterricht (z. B. VORWERK als Vertreter eines Global Players, Fair Future, etc.) erlangen unsere Schüler zusätzliche Lernangebote und gewinnen neue Eindrücke. Auch die inzwischen fest im Schuljahr verankerten Auftritte des White Horse Theaters tragen dazu bei. In eigenen Theater AGs und Literaturkursen bringen die Schüler selbst viel auf die Beine und die Bühne, so dass wir im Schuljahr 2016/17 zum Ende des 2. Halbjahres Theateraufführungen aus vier verschiedenen AGs oder Kursen bestaunen konnten sowie dazu noch zwei Abende mit musikalischem Programm.

Ein wichtiger Bestandteil unseres Förderangebotes ist in den letzten Jahren das Coaching geworden. Durch ausgebildete Coachs werden die Schüler aller Jahrgangsstufen bis zur Q2 in Gruppen- oder Einzelsitzungen angeleitet, ihre Probleme und Schwächen, aber vor allem auch ihre Stärken und Neigungen zu erkennen und mit ihnen umzugehen, so dass sie gestärkt ihren Alltag und die zunehmende Belastung in der Schule meistern können. Gerade dieser Baustein zeigt, wie ernst wir unsere Schüler in ihren Ängsten und Sorgen, aber auch in ihrer Belastung im Rahmen der Schulzeitverkürzung nehmen.

Die Studien- und Berufsberatung bietet zudem Hilfestellung, um sich auf die Berufswelt vorzubereiten und bietet Unterstützung bei Bewerbungen und der Suche nach Praktikums- oder Ausbildungsstellen. Zudem stellt KaoA inzwischen in den Jahrgängen 8 und 9 ein festes Element der Beratungsebene in dieser Hinsicht dar.

Wieder aufleben soll in diesem Schuljahr 2017/18 die bis vor vier Jahren noch feste Einrichtung von Streitschlichtern an unserer Schule. Ein Team aus Schülern verschiedenen Alters, welches von Lehrpersonen dazu ausgebildet wird, wird sich bald wieder um kleinere und größere Konflikte kümmern und eine Anlaufstelle für vor allem jüngere Schüler darstellen.

Den gewachsenen Anforderungen in der Beratung gerecht zu werden versuchen wir ebenfalls durch unsere Schüler- Sprechtage, welche für die Jahrgangsstufen der Mittelstufe angeboten werden. Zu Beginn des jeweiligen zweiten Halbjahres haben hier Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit, selbstgesteuert und selbstinitiiert mit den Lehrern ihrer Wahl ein Gespräch über ihre Leistungen, aber auch über ihr Lernumfeld, ihre Belastungen etc. zu führen und darin beraten zu werden.

Bewährt hat sich ebenfalls das Angebot kids for kids in der Erprobungsstufe. Hier schlüpfen Schülerinnen und Schüler in die Rolle der Lehrer und bieten an ihren alten Grundschulen den dortigen 4. Klässlern eine interessante Unterrichtsstunde in ihren neuen Fächern an.

Zur Sprachenförderung zählt für uns als ein wichtiger Bestandteil die Möglichkeit des Erwerbs von DELF- Zertifikaten. Diese staatlichen Sprachdiplome, die vom französischen Erziehungsministerium vergeben werden, sind weltweit anerkannt.


Das Konzept der Ergänzungsstunden und Lernzeiten

In weiterer fachlicher Hinsicht konnten wir in den letzten Jahren zudem ein breites Förderangebot erstellen, welches nun differenziert nach Erprobungs-, Mittel- und Oberstufe dargestellt wird.

In der Erprobungs- und Mittelstufe haben wir seit einigen Jahren Ergänzungsstunden und seit dem Schuljahr 2016/17 auch Lernzeitstunden eingerichtet, die im ersten Fall im Klassenverband oder im Falle der Lernzeit in jahrgangsstufenübergreifenden Gruppen in offenen Angeboten unterrichtet werden, um entweder individuelle Defizite aufzuarbeiten oder je nach Begabung und Neigung der Schüler ihre Talente zu fördern. Zudem hat sich durch die erfolgte erste Evaluation der Lernzeit gezeigt, dass sich erste Erfolge bei den Schülerleistungen zeigen. Das Grammatik ABC hat sich zudem in Jahrgang 5.1. bewährt und wurde von den Fachkollegen als unverzichtbar angesehen, auch als Zuarbeit für das Fach Englisch und um die Unterschiede im Wissensstand der SuS durch den Besuch verschiedener Grundschulen anzuggleichen.

Die Verteilung der jeweiligen Ergänzungsstunden sowie der Lernzeiten im Schuljahr 2017/18 ist folgender Übersicht zu entnehmen:
   
Lesson Title Gymnasium Sedanstraße

Erprobungsstufe

Mittelstufe
   
Jahrgangsstufe 5 (1. Halbjahr)

Grammatik ABC (1 Unterrichtsstunde)
Lernzeit (1 Unterrichtsstunde)

Jahrgangsstufe 5 (2. Halbjahr)
Begabtenförderung in: Naturwissenschaften
(NAWI)
Förderung zur Verbesserung der Leistung in:
DAZ (Deutsch als Zweitsprache)

Offene Lernzeitstunden in :
Englisch
Deutsch
Mathematik

Jahrgangsstufe 6 (1. Halbjahr)
Die Verteilung der Ergänzungsstunden erfolgt wie in Klasse 5, 2. Halbjahr

Jahrgangsstufe 6 (2. Halbjahr)
Offene Lernzeitstunde (2 Stunden) in D, M, E, F/L

Jahrgangsstufe 7 (1.+2. Halbjahr)
Feste Ergänzungsstunde in Mathematik (4+ 1 Stunde)
Offene Lernzeitstunde (1 Stunde) in D, E, F/L

Jahrgangsstufe 8 (1.+2. Halbjahr)
Offene Lernzeitstunde (2 Stunden) in D, M, E, F/L
Lerngruppe /Lehrer
Unterrichtet werden die SuS im Klassenverband, gegeben werden die Stunden i.d.R. vom Deutschlehrer (Grammatik ABC) und vom Klassenlehrer (Lernzeit)

Lerngruppe/ Lehrer/ Stundenvolumen
Die Zuteilung zu den Lerngruppen in DAZ und NAWI erfolgt durch die jeweils unterrichtenden Lehrer in Absprache mit den Erprobungsstufenkoordinatoren. Durch den abwechselnden Unterricht in A/B- Wochen können Kinder sowohl DAZ als auch NAWI besuchen oder aber auch sowohl eines der beiden Kurse und die offene Lernzeit besuchen.

Lerngruppe/ Lehrer
Die DAZ und NAWI Kurse haben i.d.R. eine maximale Kursgröße von 15 SuS.

In der Lernzeit besuchen die SuS den Kurs (D, M, E in Jg. 5.2-6.1., in Jg. 6.2. D, M, E, F/L, in Jg. 7 D, E, F/L, in Jg. 8 D, M, E, F/L), den sie aufgrund von Empfehlungen ihrer Fachlehrer oder selbst festgestellten Defiziten besuchen möchten. Das Logbuch dient ihnen zum Nachweis des besuchten Kurses und zur Notierung der erledigten Aufgaben etc., die Kompetenzraster der einzelnen Fächer dienen den SuS zur fachlichen Orientierung

In der gymnasialen Oberstufe an der Sedanstraße haben wir neben der Förderung durch die obligatorisch einzurichtenden Vertiefungs- sowie Projektkurse in der Qualifikationsphase in der Einführungsphase leider wenig Möglichkeiten für die Einrichtung von weiteren Ergänzungsstunden.

Gerade auch im Hinblick auf die hohe Zahl der Quereinsteiger in unsere Einführungsphase ist es uns jedoch dennoch wichtig, vor allem die Fähigkeiten und Grundlagenkenntnisse in Textanalyse und im Verständnis von komplexeren Sachtexten zu fördern, so dass wir im ersten Halbjahr der EF.1 einen Vertiefungskurs eingerichtet haben, dessen Belegung für alle Quereinsteiger verpflichtend und für die Schüler unserer Schule freiwillig ist. Im Rahmen dieses Vertiefungskurses werden, angebunden an das Fach Deutsch oder Englisch, gegeben von einem der entsprechenden Fachkollegen, Kenntnisse und Methoden der Textanalyse vermittelt, es gibt Übungsmaterial und Unterstützung zum Verfassen von Sachtextanalysen und im Umgang mit diskontinuierlichen Texten. Im zweiten Halbjahr des Schuljahres 2017/18 unterrichten wir die Kernfächer Deutsch und Mathematik in der EF vierstündig, um hier entsprechende Förderung möglich zu machen.

Neben den genannten Fördermaßnahmen sollte selbstverständlich jeder Unterricht durch Binnendifferenzierung und einen kooperativen Unterricht so angelegt und strukturiert sein, dass auf den einzelnen Schüler eingegangen werden kann. Durch die Festlegung der verbindlich einzuübenden Methoden innerhalb der Stufenkonferenzen zu Beginn jeden Halbjahres und die Wiederholung und Vertiefung von Unterrichtsinhalten im laufenden Unterricht, durch den Austausch und die Erarbeitung in der Klasse ist eine intakte Gruppenstruktur dem Lernklima förderlich und erzeugt Selbstsicherheit: Erweiterte Aufgabenstellung für die Einen, Kooperation und aktive Beteiligung für die, die Unterstützung brauchen. Freiarbeit und Projekte, auch Projektwochen, sind weiterhin feste Bestandteile, die Differenzierung im Unterrichtsalltag erlauben.


Evaluation und Weiterentwicklung der Lernzeit- Stunden

Mit der Einführung der neuen Lernzeit- Stunden haben wir damals einen Schritt in die weitere Entwicklung der Selbstständigkeit der Schülerinnen und Schüler gemacht. Das alte Konzept der Ergänzungsstunden wurde überarbeitet und durch Stunden der offenen Lernzeit zum Teil ersetzt. Ziel war und ist es, den SuS mehr Eigenverantwortung im Lernprozess zu geben, sie verstärkt zur Selbstständigkeit und einem selbstgesteuerten Lernen anzuleiten und ihnen individueller die Möglichkeit zu bieten, an ihren Schwächen oder auch Neigungen arbeiten zu können als dies im Regelunterricht im Klassenverband möglich ist.

Die Umsetzung der Lernzeit- Stunden sieht wie folgt aus: In den Stunden hat nun (gemäß der oben dargestellten Verteilung) jeder Schüler ab Jahrgang 5.2. die Möglichkeit, das Fach, zu dem er gehen möchte, selbst zu wählen. Die SuS wissen, welches Fach in welchen Räumlichkeiten angeboten wird, die Materialien sind in dem Raum bereits vorhanden, der Schüler benötigt dementsprechend lediglich seinen Lernzeitordner, den er mit in den entsprechenden Raum nimmt. Dort betreut ein Fachkollege des entsprechenden Faches die sich dann einfindende Lerngruppe, in der Regel handelt es sich dabei um einen Kollegen, der dieses Fach auch in der betreffenden Jahrgangsstufe zumindest in einer der Klassen unterrichtet.

Bei der Auswahl seines Lernzeitangebotes soll sich der Schüler dabei nach Möglichkeit an seinem Übungsbedarf orientieren, der sich aus dem laufenden Unterricht ergibt bzw. aus den Rückmeldungen der Klassenlehrer/Fachlehrer sowie an den von den Fachschaften erstellten Kompetenzrastern, die einen Überblick über die am Ende jeder Jahrgangsstufe im jeweiligen Fach zu erreichenden Kompetenzen und inhaltlichen Fähigkeiten des Schülers geben sollen.

Während der Lernzeit- Stunden arbeiten die SuS dann prinzipiell selbstgesteuert an den zur Verfügung stehenden Materialien, welche alle Themenbausteine des entsprechenden Schuljahres in Form von Büchern, Kopien, Arbeitsheften, Lernspielen etc. abbilden. Der anwesende Lernzeit- Lehrer ist Begleiter dieses Prozesses, hilft bei der Auswahl der richtigen Materialien und Aufgaben, leitet die Kontrolle der Aufgaben mit entsprechenden Lösungsheften an und unterstützt die SuS bei Verständnisfragen zu Aufgaben oder den Bausteinen des Kompetenzrasters.

Zudem ist er angehalten, die Dokumentation des Schülers in dessen Logbuch am Ende der Lernzeit- Stunden abzuzeichnen. Das Logbuch soll den Zweck erfüllen, dass nachvollziehbar bleibt, wo der Schüler seine Lernzeit verbracht hat, welche Aufgaben er sich ausgewählt hat und wie er sich in der Lernzeit verhalten hat. Außerdem kann hier der Lernzeit- Lehrer Tipps geben, welche Aufgaben sich der Schüler ggf. in den nächsten Stunden suchen sollte. Zudem hat auch der Fachlehrer hier die Möglichkeit, konkrete Tipps und Aufgaben zu notieren, um so dem Schüler an die Hand zu geben, wie er seine kommenden Lernzeit- Stunden verbringen kann.

Das Logbuch dient ebenfalls an der Stelle der Kommunikation mit den Eltern bzw. der Transparenz gegenüber den Eltern, da dieses zweimal im Monat das Logbuch ansehen und entsprechend der dafür vorgesehenen Spalte auch die Dokumentation der Arbeit ihres Kindes unterschreiben sollen.

Als wir die Lernzeit- Stunden eingeführt haben, sollte im ursprünglichen Sinn zunächst nur das jeweilige Kompetenzraster des Faches die Grundlage für den Schüler sein, seine bisher erworbenen Kenntnisse und Kompetenzen im jeweiligen Fach zu überprüfen und in den Lernzeit- Stunden dann daran zu arbeiten, Lücken zu schließen. Im Ampel- Verfahren sollte vom Schüler mit grün der Unterrichtsinhalt oder die Kompetenz markiert werden, den/die er bisher nach eigenem Gefühl gut kann, mit gelb, was noch zu üben ist und mit rot die Dinge, die der Schüler bislang nach eigener Einschätzung gar nicht verstanden hat. Die Erfahrung und die Evaluation zeigte jedoch die auch erwartete Schwierigkeit auf, dass ein Großteil der Schüler die Raster nicht verstanden hat oder aber im Regelunterricht das Raster nicht hinreichend erläutert wurde bzw. für die Schüler die Formulierungen der Raster zu abstrakt waren, als dass sie daraus hätten ihre eigenen Förderschwerpunkte ableiten können. Aus den Kompetenzfeldern zunächst Inhaltsfelder oder Themenbausteine zu entnehmen, dann konkrete Aufgaben abzuleiten und diese dann in den gebotenen Materialien zu finden, stellte die SuS vor große Probleme. Die Evaluation zeigte, dass dies in allen Jahrgangsstufen zutraf.

Folge der ersten Evaluation war daher, dass sich ein Arbeitskreis nach dem Pädagogischen Tag zur Leistungsbewertung und der Entwicklung von Schülerleistungen mit dem Auftrag an die Fachschaften gewandt hat, diese Kompetenzraster dahingehend zu überarbeiten, dass sie weniger schwammig formuliert und greifbarer für den Schüler wieder an Inhalten des Faches und konkret zugeordneten Aufgaben orientiert sein sollen. Zudem hat man sich dafür ausgesprochen, zu Beginn des Schuljahres die neu überarbeiteten Raster ausführlich im jeweiligen Fachunterricht mit den Schülern zu besprechen und mit jedem Schüler ausführlich zu besprechen, welche Inhaltsfelder/ Kompetenzen er oder sie noch vertieft bearbeiten müsste.

Zudem sahen wir es als ein Ergebnis des darauffolgenden Pädagogischen Tages als hilfreich an, dass die Fachschaften sich darin einigen, in den Erwartungshorizonten, den die SuS bei der Rückgabe ihrer Klassenarbeiten erhalten, Platz zu lassen für konkrete Rückmeldungen über die Aufgaben, die der Schüler in den kommenden Lernzeit- Stunden erledigen kann, um Defizite, die sich in den Arbeiten gezeigt haben, aufzuarbeiten.

Als ein weiteres Ergebnis dieses zweiten Pädagogischen Tages soll das Logbuch der Lernzeit verändert werden. Wie schon die Evaluation zeigte, sehen zu viele Schüler das Logbuch nur als lästige Pflicht an, ohne dass sie der Dokumentation einen Sinn zuschreiben. Auch die Anmerkungen der Lernzeit-Lehrer fielen zunächst darin oft nur wenig hilfreich und unterstützend aus. Viele Schüler zeigen zudem das Logbuch nicht, wie vereinbart, regelmäßig zu Hause und dementsprechend fehlen Unterschriften der Eltern und es kommt nicht zur gewünschten Transparenz. Daher entstand auf dem zweiten Pädagogischen Tag die Idee, das Logbuch sowie die Kompetenzraster in einem neu zu gestaltenden Schuljahresplaner zu integrieren.


Der neue Schuljahresplaner als Lernplaner und Lernbegleiter

Ab dem Schuljahr 2018/19 soll es dieser Idee nach einen neuen Schulplaner im DIN A 4 Format geben, der genug Platz bieten soll, für die Schüler zum Lernplaner und somit zum festen schulischen Begleiter zu werden. Die von den Fachschaften im ersten Halbjahr des laufenden Schuljahres zu erstellenden verbesserten und konkreteren Kompetenzraster sollen darin genauso ihren Platz finden wie eine tabellarische Übersicht, in die Woche für Woche der Besuch der jeweiligen Lernzeit eingetragen werden kann. Somit soll der Schüler nicht nur mehr die Möglichkeit haben, in den Planer wie bisher seine Hausaufgaben eintragen zu können, sondern hier sollen sich zudem Seiten befinden, die unsere Hausordnung abbilden, wichtige Telefonnummern, Klassenlisten, die Möglichkeit zum Eintrag der Stundenpläne, Platz für die Kommunikation mit Eltern für Entschuldigungen etc., Platz für Notizen und Übersichten zur Planung von Referaten oder Gruppenarbeiten.
Dieser neue Lernplaner soll derart institutionalisiert werden in unserem Schulalltag, dass wir anstreben, dass jeder Schüler von der 5. Klasse bis zur Oberstufe diesen Lernplaner als Kalender, Planer und Strukturierungshilfe für seine Lernprozesse, Hausaufgaben, Referate etc. verwendet. Ein Arbeitskreis beschäftigt sich derzeit mit der Planung um Umsetzung des neuen Schuljahres- /Lernplaners.


Die Weiterentwicklung unseres Förderkonzeptes- ein Ausblick

Neben den bisher genannten Fördermaßnahmen sollte selbstverständlich jeder Unterricht durch Binnendifferenzierung und einen kooperativen Unterricht so angelegt und strukturiert sein, dass auf den einzelnen Schüler eingegangen werden kann. Durch die Festlegung der verbindlich einzuübenden Methoden innerhalb der Stufenkonferenzen zu Beginn jeden Halbjahres und die Wiederholung und Vertiefung von Unterrichtsinhalten im laufenden Unterricht, durch den Austausch und die Erarbeitung in der Klasse ist eine intakte Gruppenstruktur dem Lernklima förderlich und erzeugt Selbstsicherheit: Erweiterte Aufgabenstellung für die Einen, Kooperation und aktive Beteiligung für die, die Unterstützung brauchen. Freiarbeit und Projekte, auch Projektwochen, sind weiterhin feste Bestandteile, die Differenzierung im Unterrichtsalltag erlauben.

Ein großer Schritt in Richtung individualisierter Unterricht, individuelle Förderung und dem Einsatz von differenziertem Unterrichtsmaterial dürfte nun das mit Beginn diesen Schuljahres eingeführte Lehrerraumprinzip sein. Da in der Realisierung nun sehr viele Kollegen über einen eigenen Raum verfügen oder aber sich diesen mit nur wenigen Kollegen teilen, bietet die räumliche Situation nun genug Platz, um Material zur Binnendifferenzierung griffbereit zu haben. Auch die technische Ausstattung der Räume ermöglicht nun weit mehr als früher ein an Schülern orientiertes Lernen, gibt Raum für individuelle Herangehensweisen, motiviert Schüler deutlich mehr und bietet schließlich auch in Bereichen der Förderung begabter Schüler mehr Alternativen, wenn diese mit ihren Aufgaben fertig sind oder aber Aufgaben mit einem höheren Anspruch erhalten sollen. Erste Gespräche mit Schülern und Kollegen haben bereits gezeigt, dass sie das Lehrerraumprinzip in dieser Hinsicht für einen Gewinn für die Weiterentwicklung des Unterrichts halten. Eine Evaluation des Lehrerraumprinzips muss nach einem Jahr auch im Hinblick auf die Dienlichkeit der individuellen Förderung zeigen, welche Erfolge die Umstellung in der räumlichen Nutzung gebracht hat.

Unser Förderkonzept entwickelt sich in der Diskussion und Erprobung selbstverständlich stetig weiter. Es verändert sich z. B. mit den personellen Kapazitäten im Kollegium sowie unseren organisatorischen Rahmenbedingungen, ausgerichtet auf die Bedürfnisse der Schülerinnen und Schüler. Wir befinden uns in einem Prozess, der ständige Qualitätssicherung der Angebote sowie die Gewinnung neuer Partner für den Aufbau neuer Bausteine anstrebt.

Gerade die Lernzeit- Stunden müssen weiterhin verstärkt in den Blick genommen werden. Hier gibt es an vielen Stellen weiter Gesprächs- und Beratungsbedarf, sei es in inhaltlicher, aber auch in organisatorischer Hinsicht. Um an diesen Stellen Anregungen zu bekommen, werden noch im Laufe des 1. Halbjahres des laufenden Schuljahres entsprechende Fortbildungen und Tagungen besucht.

In organisatorischer Hinsicht sind hier z. B. folgende Aspekte zu überdenken: Ist es sinnvoll, dass Schüler während einer Lernzeit- Stunde zumindest einmal das fachliche Angebot wechseln dürfen? Wie dokumentiert der Lernzeit- Lehrer die Anwesenheit der SuS, die bei ihm teilnehmen und wer überprüft in dem klassenübergreifenden Angebot, dass alle SuS der Jahrgangsstufe anwesend sind?

Inhaltlich muss weiterhin diskutiert werden, wie sich der schmale Grad zwischen dem Ziel der Selbstständigkeit der SuS, die angestrebt wird mit dem Konzept der Lernzeit- Stunden und der Tatsache, dass zu viele unserer Schüler starke Anleitung in der Suche nach Aufgaben und bei der Erkennung eigener Förderschwerpunkte benötigen, gehen lässt. Hier muss die Frage beantwortet werden, ob die Konkretisierung der Kompetenzraster hin zu Inhaltsrastern mit konkreter Aufgabenzuordnung ein Schritt zu weit gegen die Idee der Selbstständigkeit der SuS geht oder ob dies ein angemessener Schritt in Richtung der Bedürfnisse der Schüler ist, die sich speziell an unserer Schule zeigen. Blickt man dabei auf die größere Konzepte an anderen Schulen, die noch offenere Lernformen breiter in der Stundentafel integriert haben bis hin zur Dalton- Pädagogik, muss man sich die Frage stellen, ob wir die SuS an unserer Schule zunächst nur langsam an freieres Arbeiten gewöhnen müssen (und wenn ja, wie weit die Hilfestellungen in der Übergangszeit reichen dürfen und sollen) oder ob es sie auch längerfristig tendenziell überfordert sind (und wenn ja, welche Angebote und Hilfestellungen sie brauchen, um dennoch diese Lernzeit- Stunden sinnvoll nutzen zu können).